Wort zum Sonntag - "Bin ich gesegnet?"

Ich verbringe Zeit im Kloster. Zeit, um mich mit meinem Glauben zu beschäftigen - mit meinem Glauben hier und heute.
Mein erster Gedanke: Wo wird mein Glaube sichtbar? Geht er im Alltag manchmal unter, zwischen Terminen, Aufgaben und allem, was erledigt werden muss?
In diese zweifelnden Gedanken hinein beginnt ein Vers aus dem 1. Buch Mose in mir zu schwingen: "Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." Ich frage mich: Womit bin ich gesegnet? Als erstes fallen mir meine zwei Söhne ein, inzwischen
eigenständig und zuverlässig, machen sie meine Auszeit im Kloster möglich. Mein Mann und meine Familie sind ein Segen für mich. Sie tragen mich, sind immer für mich da. Ich bin mit Gesundheit und einer Aufgabe gesegnet, die mich erfüllt. Aber Segen zeigt sich nicht nur im Großen. Oft begegnet er mir in den kleinen Dingen: in der Schönheit der Natur, in einer Tasse Tee, die ich in Ruhe trinken kann, beim Blick in den Schein einer Kerze.
Ich spüre Segen in Kirchenräumen, in denen ich am liebsten sofort ein Taizé-Lied anstimmen würde. In Momenten der Stille. Und vor allem in Begegnungen mit Menschen – egal, ob groß oder klein.
Vielleicht ist mein Glaube also gar nicht unsichtbar. Vielleicht zeigt er sich mitten im Alltag: in dem, was mich trägt, und in dem, was ich tue. Im Staunen, im Innehalten, im Dasein für andere.
Ich bin gesegnet und darf Segen weitergeben - durch ein offenes Ohr, ein gutes Wort, meine Zeit und meine Zuwendung. Wann und an welchen Orten fühlen Sie sich gesegnet?

Diakonin Kathrin Jaeger

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